
Teil 3 von 5 in „Cloud Adoption Framework in der Praxis“. Zurück: Welle 2: Planen · Weiter: Welle 4: Steuern.
Nach der akribischen Planung der ersten beiden Wellen wird es in Welle 3 ernst. Dies ist die letzte Vorbereitungsstufe, bevor die Migration in vollem Umfang beginnt. Das Hauptziel dieser Welle ist es, den Prozess abzusichern: indem Sie Ihre Annahmen testen, Ihre Methoden verfeinern und sicherstellen, dass Team und Umgebung vollständig auf den Übergang vorbereitet sind.
Betrachten Sie es als die letzte Generalprobe: Ihre Gelegenheit, mögliche Probleme in einer kontrollierten Umgebung zu erkennen und zu lösen – und nicht mitten in einer kritischen Produktionsmigration. In dieser Welle geht es darum, Vertrauen und Dynamik aufzubauen.

Schritt 1: Die Landing Zone aufbauen
Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, die Landing Zone aus Welle 2 auszubauen. Das ist Ihre sichere, konforme und produktionsreife Cloud-Umgebung – ein vorkonfigurierter Raum mit allen nötigen Accounts, Networking, Security-Policies, Identity-Management und Key-Management-Controls. Eine gut architektierte Landing Zone von Anfang an – als Code – bereitzustellen, verhindert kostspielige und komplexe Nacharbeit. So werden alle künftigen Workloads in eine Umgebung ausgerollt, die standardmäßig sicher und governt ist, mit BSI-C5- und NIS2-Controls, die vom ersten Tag an nachweisbar sind.
Schritt 2: Eine Pilotmigration auswählen und durchführen
Steht die Landing Zone, ist es Zeit, Ihren Migrationsprozess mit einer Pilotmigration zu testen. Der Pilot sollte eine kleine Zahl risikoarmer, unkritischer Anwendungen umfassen. Ziel ist nicht nur, die Anwendungen zu verschieben, sondern den gesamten Prozess zu validieren, darunter:
- Migrations-Tools: Leisten die ausgewählten Tools, was erwartet wird?
- Team-Skills: Kann das Team das Migrations-Playbook wirksam umsetzen?
- Betriebsbereitschaft: Funktionieren Ihre Monitoring-, Logging- und Incident-Response-Prozesse in der neuen Umgebung?
Die Erkenntnisse aus dem Piloten werden in einem Pilot-Retrospektive-Report festgehalten, mit dem der Migrationsplan verfeinert wird, bevor es weitergeht.

Schritt 3: Den Migrationsplan mit den 5R verfeinern
Das Anwendungsinventar aus Welle 1 liefert die Liste dessen, was migriert wird – doch das 5R-Framework (auch als 6R bekannt, inklusive Retire) bestimmt, wie jede Anwendung migriert wird. Auf Basis der Pilotergebnisse und einer tieferen Analyse finalisieren Sie nun die Migrationsstrategie für jede Anwendung:
- Rehost (Lift and Shift): Die Anwendung unverändert auf eine Infrastructure-as-a-Service-Plattform (IaaS) verlagern. Am schnellsten, aber am wenigsten optimiert.
- Revise (Re-Platform): Kleinere Anpassungen vornehmen, um Cloud-Dienste zu nutzen – etwa der Wechsel von einer selbstverwalteten Datenbank zu einem Managed-Database-Dienst (PaaS).
- Rearchitect: Die Architektur der Anwendung grundlegend cloud-native umbauen, häufig durch den Wechsel zu Microservices.
- Rebuild: Die bestehende Anwendung abschalten und auf einer Cloud-native-Plattform von Grund auf neu bauen.
- Replace: Die Anwendung vollständig aufgeben und auf eine Software-as-a-Service-Lösung (SaaS) wechseln.
Dieser finalisierte Migrationsplan hält für jede Anwendung das gewählte „R“ und die Begründung der Entscheidung fest.

Schritt 4: Den Plan für Geschäfts- & Betriebsbereitschaft finalisieren
Technische Bereitschaft ist nur die halbe Miete. Dieser Schritt stellt sicher, dass das Unternehmen auf den Wandel vorbereitet ist. Der Operational-Readiness-Plan bestätigt, dass Support-Teams geschult, Runbooks aktualisiert und Kommunikationspläne vorhanden sind, um potenzielle Störungen zu bewältigen. Er sorgt dafür, dass das Unternehmen nach der Migration einer Anwendung weiß, wie es sie unterstützt – und die Nutzer wissen, was sie erwartet.
Mit dem Abschluss von Welle 3 haben Sie Unsicherheit durch belastbare Erfahrung ersetzt. Sie verfügen über einen praxiserprobten Migrationsprozess, ein Team, das ihn erfolgreich durchgeführt hat, und eine produktionsreife Umgebung. Sie sind nun bereit, die Migration in vollem Umfang mit der höchstmöglichen Erfolgschance zu starten.
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